Mitgliederversammlung der SPD Nuthetal am 29. Oktober 2008
Gratulation
an Marita Bauer zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande
Liebe Marita,
liebe Genossinnen, liebe Genossen,
das ist ein seltener Moment, der nicht vielen Ortsvereinen vergönnt ist: Wir können heute einer Genossin aus unseren Reihen zum Bundesverdienstkreuz gratulieren.
Liebe Marita, ich durfte dabei sein, als Dir die Sozialministerin des Landes Brandenburg Dagmar Ziegler am 6. Oktober das – wie es offiziell heißt - „Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ überreicht hat.
Gewürdigt wurde Dein beispielhaftes Lebenswerk für die Professionalisierung und Weiterentwicklung der Pflege. Du warst 21 Jahre lang Geschäftsführerin des Landesverbandes Berlin-Brandenburg des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe, der auch noch in Deiner Zeit mit dem Landesverband Mecklenburg-Vorpommern fusionierte. Jetzt ist es der Landesverband Nordost. Und Du hast Dich, so hat es die Ministerin gesagt, weit über den Rahmen Deiner dienstlichen Verpflichtungen hinaus für die Pflege eingesetzt.
Das war auch die einhellige Auffassung der nicht enden wollenden Gratulantenschar, die aus der großen weiten Pflegeszene zu der Verleihung Deines Bundesverdienstkreuzes erschienen war. Ich fand, es war eine ganz bewegende Feierstunde. Hochgestelzte Reden haben wir dort nicht gehört; dafür konnte man die herzliche Sympathie und Zuneigung und auch die fachliche Anerkennung, die Dir entgegengebracht wird, spüren. Der Ministerin blieb es dann überlassen, in feinen Worten darauf hinzuweisen, dass Du für Ihre Fachleute und auch für Sie persönlich immer ein geschätzter Gesprächspartner warst, aber dass Du auch ein ganz schön hartnäckiger Plagegeist sein konntest, wenn es um die Belange der Pflege ging.
Ähnlich hat sich auch die CDU-Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Reinickendorf Marlies Wanjura ausgedrückt, die Deine fachliche Kompetenz und Tatkraft ebenfalls über den Schellenkönig lobte. Sie konnte sich dann gleich von Dir anhören, dass Du eine Umorganisation der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales und die Schaffung eines eigenen Pflegereferates anregst.
Liebe Marita, ich habe mal versucht, nachzuvollziehen, was Du geleistet hast und welche Ziele Du verfolgt hast. Ich habe ja nun gehört, was bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gesagt wurde und das Internet hinterlässt inzwischen reichlich Spuren, wenn man - wie Du es getan hast - ein Anliegen auch in die Öffentlichkeit tragen will.
Dein Hauptanliegen war ganz eindeutig die Verbesserung der Pflege, bessere Bedingungen für die, die auf Pflege angewiesen sind. Mehr Freiheit und Selbstbestimmung, mehr Respekt für die Pflegebedürftigen. Mehr Zufriedenheit, Würde, Gleichberechtigung, Lebensqualität. Kein Grußwort, kein Fachbeitrag von Dir, kein Interview, das nicht dieses Ziel in den Vordergrund stellt.
Sicher hast Du auch schlechte Bezahlung und zu geringe Anerkennung der Pflegeberufe thematisiert und kritisiert, aber diese Kritik stand nie für sich allein, sondern hatte immer die Perspektive „gute Pflege“. Für dieses Ziel wolltest Du Lobby sein. Du hast gesagt, wenn Pflegende gehaltsmäßig praktisch immer auf ihrem Einstiegsniveau stehen bleiben oder wenn untertariflich bezahlt wird, dann werden immer weniger diesen Beruf ergreifen, die wenigen, die es tun, werden sich nicht qualifizieren, weil es nichts bringt, dann wird die Pflege unprofessionell und schlecht, obwohl wir mehr und bessere Pflege brauchen.
Das war immer Deine Grundlinie. Weniger der individuelle Ansatz – wir kümmern uns um unsere Interessen -, sondern der karitative oder ich würde sagen der sozialdemokratische Ansatz: Das Ziel der Anstrengungen ist eine Verbesserung der Situation für diejenigen, die Unterstützung und Solidarität brauchen. Diese Zielsetzung hast Du absolut glaubwürdig und konsequent vertreten. „Stark für die Pflege“ ist der Leitspruch Eures Landesverbandes und Du hast ihn verkörpert.
Um die Pflege zu verbessern, hast Du immer an den Strukturen angesetzt. Du wolltest: eine möglichst gute Ausbildung für die, die in der Pflege arbeiten, lebenslange Weiterbildung und Qualitätsprüfungen für Pflegedienste. Beispielhaft möchte ich drei Projekte nennen, die Du mit angestoßen oder vorangetrieben hast:
Gute Ausbildung. Die Alice-Salomon-Hochschule Berlin hat als eine der ersten Hochschulen in Deutschland 1994 einen akademischen Studiengang Pflege/Pflegemanagement eröffnet. Du wirst dort als eine derjenigen genannt, die in der Gründungsphase maßgeblich beteiligt waren, als es darum ging, Inhalte des neuen Studiengangs zu entwickeln, geeignete Professoren zu berufen und das Fach zu etablieren. Beim zehnjährigen Jubiläum des neu geschaffenen Studiengangs, der inzwischen ein Bachelor-Studium ist, hat die Universität Marita namentlich für ihr großes Engagement gedankt.
Lebenslange Weiterbildung. Du warst eine der Initiatoren des Projekts „Freiwillige Registrierung für beruflich Pflegende.“ Die Idee dahinter ist, dass man sich registrieren lässt und nur registriert bleibt, wenn man sich regelmäßig fortbildet und dieses gegenüber dem Projekt nachweist. Die freiwillig Registrierten präsentieren sich dadurch nach außen als eine Berufsgruppe, die großen Wert auf ständige Weiterbildung legt. Die freiwillige Registrierung ist auch für jeden einzelnen eine Werbung für seine Person und seine Qualifikation. Außerdem erhofft man sich einen bundesweiten Überblick über die Berufsgruppe, beispielsweise über deren Ausbildung und ihren Altersaufbau, was politische Planungen erleichtert. Dieses Projekt hat der Landesverband Berlin-Brandenburg begonnen und wurde danach bundesweit fortgeführt; inzwischen wird es vom Deutschen Pflegerat, also der Bundesarbeitsgemeinschaft der deutschen Pflegeorganisationen, betrieben.
Qualitätsprüfung. Du hast die Gütegemeinschaft Qualitätsgeprüfter Ambulanter Pflegedienste mit aufgebaut. Über diese Gütegemeinschaft können Pflegedienste ihre Qualität extern überprüfen lassen und können dann ein Gütesiegel führen. Die betreffenden Zertifizierungsverfahren werden inzwischen bundesweit durchgeführt.
Ausbildung, Weiterbildung, Qualitätssicherung, das waren die Anliegen und Du hast sie über solche Projekte verfolgt, aber auch über Veröffentlichungen in der Fachpresse, in Tageszeitungen, auf Fortbildungen, Tagungen, Kongressen, die Du organisiert, mitorganisiert, moderiert und auf denen Du referiert hast.
Netzwerk. Nichts kann man bewirken, wenn man nicht mit anderen zusammenarbeitet, wenn man andere nicht mitnehmen kann. Dass du über ein riesengroßes Netzwerk verfügst und es gern und gut genutzt hast, das hat man bei der festlichen Überreichung des Bundesverdienstkreuzes gemerkt.
Noch ein letzter Einwurf zu dem Ganzen aus unserem eigenen Erleben: Liebe Genossinnen und Genossen, wer die beiden Bauers in seinem Ortsverein hat, der kommt an dem Thema Pflege nicht vorbei, dazu müssen wir wirklich nicht ins Internet gucken. Wir haben uns selbst auf Klausurtagungen in der Heimvolkshochschule damit befasst und keine Bundestagsabgeordnete und kein Europaabgeordneter kommt hier ungeschoren raus, sprich am Thema Pflege vorbei. Einer von beiden – Rudi oder Marita - ist immer da und spricht ihn darauf an. Wir spüren: Gute Pflege ist für Euch beide ein persönliches Anliegen, Ihr könnt Euch richtig dafür begeistern.
Liebe Marita, es ist eine gute Sache, dass das Bundesverdienstkreuz aufmerksam macht: auf großes Können und auf großes Engagement für unser Gemeinwesen.
Es ist großartig, dass wir Dich in unseren Reihen haben und wir gratulieren Dir ganz herzlich zu dieser Auszeichnung.