Bericht von der Veranstaltung mit Minister Rupprecht am 17.3.2010 in der Aula der Otto-Nagel-Schule
Führung durch die Ausstellung
Die
jungen Macher der Ausstellung „Unsere Schule - Gestern und Heute“
führten einen sehr interessierten Minister Holger Rupprecht durch die
Ausstellung, die im Rahmen des Projekts „Zeitenwende“ der Stiftung
Demokratische Jugend entstanden war. Sie erläuterten, wie sie die
Interviews mit früheren Lehrerinnen und Lehrern geführt hatten, aber
auch, wie sie sich in Büchern über das damalige Schulsystem informiert
hatten. Die älteste interviewte Lehrerin, inzwischen hoch in den
Achtzigern, hatte direkt nach dem Krieg 1945 den Unterricht in der Alten
Schule (dem heutigen Mehrgenerationenhaus) aufgenommen.
Viele Fotos aus der DDR-Zeit mit früheren Schulklassen illustrieren die professionell präsentierte Ausstellung. Wie Holger Rupprecht sagte, erinnern ihn diese Fotos an seine eigene Zeit als Lehrer in der DDR. „Ich habe auch gute Erinnerungen, es war mein Traumberuf“, sagte er, „aber die Fahnenappelle gehörten zu den weniger netten Dingen“.
Genauer
studiert wurden die präsentierten Schulzeugnisse aus der DDR-Zeit,
geografische Zeichnungen und Zeichnungen aus dem Kunstunterricht, z.B.
mit dem Titel „Mutti bei der Arbeit als Lehrerin“. Ein ausgestelltes
Jugendweihebuch, berichtete Bendix dem Minister, habe einer Besucherin
besonders gefallen, denn es war just ihr eigenes Jahrgangsbuch, das sie
so wiederentdeckte. In diesem Jugendweihebuch sind alle Termine zur
Vorbereitung der Jugendweihe auf schön gestalteten Seiten aufgeführt und
festgehalten.
„Ihr habt toll geforscht und eine super Ausstellung gemacht“, lobte der Minister. Als er hörte, dass ein Fortsetzungsprojekt über „Punker und Popper – Jugend in der DDR“ geplant war, gelobte er, den Nuthetaler Stand bei der nächsten Landesausstellung des Zeitenwendeprojektes genau in Augenschein zu nehmen. „Halten Sie mich dann einfach fest“, sagte er zu Jugendkoordinatorin Jana Köstel, was diese zusagte.
Die
Kinder befragten den Minister auch, wie er die DDR gefunden habe und ob
er angeeckt sei. Rupprecht sagte, nein, er sei nicht angeeckt, das sei
auch gefährlich gewesen, besonders wenn man – wie er – früh Familie
hatte. Er berichtete von einem guten Freund, der als Musiker bei einem
Konzert im Westen geblieben war und dessen Frau daraufhin in der DDR
inhaftiert wurde. Die Kinder der Familie kamen zur Familie Rupprecht.
Als die Bundesrepublik die Ehefrau schließlich freigekauft hatte, wurde
sie sofort in den Westen abgeschoben. Die Kinder durften erst später
folgen. Beim Besuch der Frau im Gefängnis, die doch nur mit ihren
Kindern zu ihrem Mann wollte, habe er innerlich mit der DDR gebrochen,
so Rupprecht.
Vortrag Minister Rupprecht
„Jede Familie muss dann einen Kitaplatz für ihr Kind bekommen, wenn sie ihn braucht.“ Einen kurzen Einblick in die Nuthetaler Bildungspolitik gab dann die Vorsitzende der Nuthetaler Sozialdemokraten Monika Zeeb in ihrer Begrüßungsansprache. „Bildungspolitik gelingt nur, wenn Gemeinde und Land optimal zusammenwirken“, erklärte sie, denn die Zuständigkeiten seien aufgeteilt. Ganz schlecht sei deshalb, dass in Nuthetal schon seit über einem Jahr lange Wartelisten auf Krippenplätze tatenlos hingenommen werden. „Die schönsten Verbesserungen bei den Betreuungsschlüsseln helfen nichts, wenn die Eltern gar keinen Platz für ihr Kind bekommen.“
Gute Nachrichten hatte Zeeb für die Otto-Nagel-Schule. Für den Umbau der alten Bibliothek in einen Speiseraum (Durchbruch von der Lehrküche) wurden im Haushalt 10.000 Euro bereitgestellt. Ein weiterer Speiseraum wird dringend benötigt. Täglich erhalten ca. 260 Schüler in der Schule ein warmes Mittagessen. Der bisherige Speiseraum für 30 Schüler reicht seit langem nicht mehr aus, weshalb die Schüler bisher auf die Lehrküche ausweichen müssen.
Pläne
der Koalition: Verbesserte Stellenschlüssel, Viele Wege zum Abitur, 450
Neueinstellungen von Lehrern mit Verbeamtung
Bildungsminister Holger Rupprecht erläuterte, was sich die Koalition vorgenommen hat, um der Bildungspolitik tatsächlich oberste Priorität zu geben. 36 Millionen Euro zusätzlich sind in den Haushalt eingestellt, um die Betreuungsschlüssel in den Kindertagesstätten ab 1. September zu verbessern: Von 1:7 auf 1:6 im Krippenbereich und von 1: 13 auf 1:12 im Kindergartenbereich. Rupprecht sagte gleichzeitig, dass es sicher schwierig werde, ausreichend Erzieher zu finden. Denn Erzieher werden auf dem Arbeitsmarkt Mangelware.
Viele Wege führen zum Abitur, sagte der Minister, und es müsse nicht immer das Gymnasium sein: Für viele Kinder könne der ein Jahr längere Weg über die Oberschule besser sein. „Jeder gute Oberschüler kann auf das Gymnasium wechseln“, betonte Rupprecht. Auch in den inzwischen mit viel EU-Geld „tipp-topp ausgestatteten“ Oberstufenzentren (Berufsschulen) könne man zum Abitur geführt werden.
Wegkommen müsse man von den vielen Förderschülern, die ihre Schulzeit zwar in einem geschützten Rahmen verbringen, aber am Ende ohne einen regulären Schulabschluss dastehen. Viel mehr Förderschüler müssen in die normalen Schulen integriert werden, mit Unterstützung von Förderlehrern. Das sei zwar teuer, aber notwendig.
Als Sozialdemokrat wolle er mit seiner Politik zu Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit beitragen. Leider bleiben die Kinder aus gut betuchten und behüteten Elternhäusern in den Gymnasien immer mehr unter sich; Kinder aus anderen Elternhäusern hätten immer noch zu wenige Chancen. Die Regierung wolle gegensteuern: Mit den Sozialfonds für die Schulleitung, mit denen Kinder aus benachteiligten Familien z. B. bei Klassenfahrten unterstützt werden könnten. Und mit dem neuen Schülerbafög. Die Einzelheiten werden derzeit noch erarbeitet.
Rupprecht kündigte an, das Land wolle 450 neue Lehrer einstellen. Dafür werde das Land bundesweit werben und auch die Verbeamtung anbieten. Die Verbeamtung sei für angehende Lehrer das zentrale Kriterium, wenn sie sich entscheiden, wohin sie gehen.
Anschließend
beantwortete Rupprecht die zahlreichen Fragen aus dem Publikum und nahm
auch einige Anregungen „mit nach Hause“. Er wünsche sich sehr, sagte er
z.B. auf Nachfrage, dass man auch finanziell anerkenne, wenn einzelne
Lehrer besonders viel leisten. Er wolle dies gerne aufgreifen. Rupprecht
erläuterte auch, dass die Schulen einen Teil ihrer Vertretungsreserve
kapitalisieren und selbst Vertretungslehrer engagieren könnten (z.B.
pensionierte Lehrer). In diesem Fällen empfehle er allerdings, dass das
Schulamt die fachliche Befähigung der Vertretungen prüfen sollte.
Ganztagsschulen und die Einführung flexibler Eingangsstufen unterstütze
das Ministerium sehr; allerdings müssten diese Dinge freiwillig
erfolgen, wenn sie erfolgreich sein sollten.