Machbarkeitststudie FNP 2018

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Die Gemeinde prüft, ob ihr Flächennutzungsplan fortgeschrieben werden soll, um eine geordnete Entwicklung in den Bereichen Wohnungsbau und Gewerbe zu ermöglichen. Nun liegt eine Machbarkeitsstudie des Planungsbüros „Horstmann und Hoffmann“ vor. Der SPD-Ortsverein Nuthetal befasste sich mit der Studie erstmals auf seiner Jahrestagung am 15.09.

Ausgangspunkt der Studie

Wegen des anhaltenden Siedlungsdrucks im sog. „Speckgürtel“ um Potsdam und Berlin wurde es für Familien fast unmöglich, in unserer Gemeinde passende Baugrundstücke oder Wohnungen zu finden. Mangelware sind auch bezahlbare Wohnungen für junge Nuthetaler, die auf eigenen Füssen stehen wollen. Und Bedarf besteht nach wie vor auch an altersgerechten Wohnungen.

Der in den letzten Jahren durchgeführte „Lückenschluss“ hat hier kaum entlastet. Und auch dieser verläuft oft nicht konfliktfrei, wie derzeit etwa die Bauplanung für die letzte freie Fläche im „Rehgrabengebiet“ zeigt Bericht Anwohnerpicknick. Und eine von einem Eigentümer gewünschte Realisierung von Wohnungen im  Gewerbegebiet am Bahnhof Rehbrücke („Spezialbaugelände“) ist von vielen Gemeindevertretern nicht gewollt.

Schon seit Jahren wird deshalb in der Gemeinde diskutiert, neue Wohnungsbauflächen in der Gemeinde zu erschließen. Auch die SPD drängt schon lange darauf, zusätzliche Baugebiete sowohl für Wohnungen als auch Einfamilienhäuser vorzubereiten, die sich verträglich in die vorhandenen Strukturen einfügen (siehe schon unser Diskussionspapier 2011).

Von der Gemeinde wurde nun eine „Machbarkeitsstudie“ eingeholt, um abzuschätzen, ob ein neuer Flächennutzungsplan dazu beitragen könnte, die Entwicklung der Gemeinde zur Erschließung zusätzlicher Siedlungspotentiale zu befördern.

Fazit der Studie – Handlungsempfehlung

Die Studie kommt zum Schluss, dass in Nuthetal bis 2035 rund 46 ha neue Wohnbaufläche allein für die Befriedigung des eigenen Bedarfs der Gemeinde – also ohne Einwohnerzuwachs – notwendig wären. Davon könne nur ein kleiner Teil durch die Nutzung bestehender „Baulücken“ (einschließlich des planungsrechtlichen Außenbereiches!) geschlossen werden. Somit ergebe sich ein Bedarf zur Neuausweisung von rd. 31. ha.

Schutzgebiete Nuthetal Anklicken vergrößert!

Dies sei jedoch ohne Eingriffe in Schutzgebietsausweisungen im Gemeindegebiet nicht machbar. Eine Neuaufstellung des Flächennutzungsplans lohne deshalb nur nach erfolgreichen Verhandlungen mit den Landesbehörden zur Herauslösung/Befreiung von Flächen bisheriger landwirtschaftlicher Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet „Nuthetal — Beelitzer Sander“.

Von dem Versuch, Befreiungen von den Festlegungen der Wasserschutzgebietsverordnung zu erlangen wird dagegen abgeraten, da die Aussichten nach aller Erfahrung sehr gering seien.

 


Einige Einzelheiten aus der Studie

Schutzgebiete Wasser und Potentialflächen in Bergholz-Rehbrücke

Nach den landesplanerischen Vorgaben liege nur der Ortsteil Bergholz-Rehbrücke innerhalb des „Gestaltungsraums Siedlung“ und könne – theoretisch – von den freizügigen Möglichkeiten zur Wohnbauflächenausweisung profitieren. Der Ortsteil sei jedoch durch eine erdrückende Ansammlung von verschiedenen Schutzgebietsausweisungen umgeben, so dass jede Ausweitung der Baufläche des Flächennutzungsplans mit übergeordneten Fachbehörden verhandelt werden müsse. Für Bergholz-Rehbrücke werden deshalb zwei Flächen (rote Markierungen Bild rechts) zur Ausweitung in den umgebenden Freiraum mit Schutzgebietsausweisung (LSG) herausgehoben.

Nur wenn es gelinge, die Landesbehörden zu einer Zustimmung zum Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet zu bewegen, mache die Weiterverfolgung der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans insgesamt Sinn.

Karte Saarmund

Für den Ortsteil Saarmund biete der Regionalplan mit seiner Festlegung „Vorzugsraum Siedlung“ eine gewisse Chance, Entwicklungspotenzial anzubieten. Im Umfeld des Siedlungszusammenhanges bestehe auch noch ein gewisser Spielraum zu den Schutzgebietsausweisungen, so dass eine Bauflächenneuausweisung einfacher möglich sei als in Bergholz-Rehbrücke.

In allen übrigen vier Ortsteilen ermögliche der LEP („begrenzte Eigenentwicklung“) nur sehr geringe Flächenzuwächse. Hier biete der bestehende Flächennutzungsplan – mit Ausnahme für Nudow – noch entsprechend ausreichendes Potenzial: (Anklicken vergrößert!)

Fahlhorst

Nudow

Philippsthal

Tremsdorf

Die Nuthetaler SPD hält die Studie für eine gute Grundlage für eine konkrete Diskussion über eine Neuausweisung von Baugrundstücken in der Gemeinde. Ziel muss es sein, die Spielräume der Landesplanung auszuschöpfen und dabei zusätzlichen Wohnraum insbesondere für Familien, aber auch Wohnungsbau für barrierefreie Wohnungen für die ältere Generation zu ermöglichen.

Wir teilen die Meinung der Gutachter, dass in den kleinen Dörfern um die Realisierung der bereits im geltenden Flächennutzungplan ausgewiesenen Arrondierungsflächen zur maßvollen Eigenentwicklung geht.

Aber auch die anderen in Saarmund und Rehbrücke dargestellten größeren Potentialflächen scheinen grundsätzlich für eine überplanung geeignet – sofern sich die Bebauung jeweils am Charakter der Umgebung und der Ortsteile orientiert und keine übermässige Verdichtung erfolgt. Die SPD Nuthetal plant deshalb zunächst, die im Gutachten genannten Potentialflächen in Saarmund zu besichtigen.

Die Verwaltung sollte deshalb – dem Rat der Gutachter folgend – alsbald mit den zuständigen Behörden in einen Dialog über die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen der Herauslösung einzelner Gebiete aus dem Schutzgebietregime treten.